Bienenhaltung – wenn es so einfach wäre

P1060277   Seit drei Jahren besitzen wir Bienen. Es begann 2014 mit einem Bienenvolk, mittlerweile sind drei Völker daraus geworden. Ich hatte mir die Bienenhaltung einfacher vorgestellt und war erstaunt das wir eine Saison „in die Lehre“ gehen sollten.

Nach den ersten Treffen schwirrte uns der Kopf. Wir hörten von der Arbeitsteilung im Bienenstock, Pflanzenschutzmitteln, Bienenkrankheiten und Schädlingen die den Bienen das Leben schwer machen. Wir lernten wie lange sich eine Made in der Brutwabe entwickelt bevor sie schlüpft, hörten wie alt eine Biene, im Durchschnitt, wird. Nach einigen Durchsichten des Volkes konnten wir Drohnen- und Arbeiterinnenbrut gut voneinander unterscheiden und wir sahen die ersten Königinnenzellen.

Neben vielen anderen Arbeiten am Bienenstock müssen diese müssen ausgebrochen werden, sonst wird ein Teil des Volkes mit der alten Königin schwärmen. Das Schwarmverhalten konnten wir im eigenen Stock erleben, denn unser Volk schwärmte in unserem ersten Jahr und halbierte sich dadurch. Wir lernten einen Ableger des Bienenvolkes zu bilden um den Schwarmtrieb zu minimieren. Es war ein sehr aarbeitsreiches, lehrreiches und interessantes Jahr.

P1060603   Wie entsteht Honig war natürlich ein großes Thema das alle Neuimker sehr interessierte, denn natürlich freuten wir uns alle auf den ersten Honig von „unseren Bienen“. So einfach wie es aussieht ist die Honigernte nicht. In meinem Beitrag Honigernte und Varroabehandlung habe ich dies genau beschrieben.

Jens hat einen Artikel über einen „selbstgebauten Bienenstock um die Bienen zu retten“ im Netz gefunden. Meine Bitte an alle, die sich mit dem Gedanken tragen diese Art des „Imkerns“ auszuprobieren: überlegt es euch gut. Die Herstellung dieses „Bienenstocks“ hört sich sehr aufwändig an und ich kann mir nicht vorstellen, daß dieser Bausatz funktioniert.

Aus meiner Sicht ist es keine bienengerechte Haltung und widerspricht den Dingen die wir bei unserem Imkerausbilder gelernt haben, z.B. sollen die angesiedelten Bienen nur Honig eintragen, es ist keine Rede einer Königin oder von Brut.

Wer beim Imkern reinschuppern möchte sollte beim nächsten Imkerverein nachfragen. Viele der Vereine bieten Probeimkern für ein Jahr . Am Ende des Bienenjahres bekommt man seinen eigenen Honig. Danach kann man sich entscheiden ob man das Bienenvolk übernimmt oder ob es nicht das richtige Hobby ist.

Für alle anderen Bienen- und Naturliebhaber die den Bienen und der Natur gutes tun wollen hier meine Bitte:

P1050207   pflanzt Blumen, Sträucher und Bäume die von Bienen gerne angeflogen werden. In unserem Beitrag Biene, Hummel & Co. haben wir einige Blumen vorgestellt. Verwendet keine belastenden Spritzmittel und gärtnert naturnah. Kauft den Honig direkt vom Imker eures Vertrauens und überlasst die Bienen in ihren Bienenstöcken den Imkern.

Unsere Bienen – Jahresrückblick 2015

P1050812  Seit April letzten Jahr sind wir stolze Besitzer eines Bienenvolkes. Im ersten Jahr stand unser Volk, mit anderen Bienenstöcken, in einer Kleingartenanlage. Erhard Henz vom Imkerverein Maingau schulte und begleitete uns.Von ihm bekamen wir Imkerlehrlinge das Rüstzeug, damit wir in diesem Jahr die Bienen an einem Standort unserer Wahl betreuen zu konnten.

Am frühen Morgen des 16. März diesen Jahres durften wir unsere Bienen holen. Mit einem Spanngurt wurde die Beute, so heißt der Bienenstock in der Imkersprache, fest umschlosssen. Der Fluglochverschluß wurde angebracht und dann transportierten wir die Beute vorsichtig im Kofferraum unseres Autos nach Hause. Wir waren aufgeregt, jetzt hatten wir die gesamte Verantwortung für unser Volk.

P1080657   Stefan hatte im Garten bereits eine Halterung gebaut. Die Beute passte perfekt. Nach kurzer Zeit waren die ersten Kundschafterinnen am Flugloch zu sehen.

P1080733 Jeden Tag führte uns unser Weg durch den Garten zum Bienenstock. Wir beobachteten die fleißigen Insekten. Am Flugloch herrschte, sobald die Sonne sich zeigte, reger Flugverkehr.

P1050814  Die ersten Durchsichten der Beute war für uns sehr aufregend. Machen wir alles richtig? Haben wir nichts übersehen? Sind wir ruhig und trotzdem zügig genug, damit die Bienen nicht unnötig gestresst werden? Mit jeder Durchsicht wurden wir ein wenig sicherer.

Am 23. April war ein ganz besonderer Tag für uns. Bei der wöchentlichen Durchsicht zeigte sich die Königin des Volkes. Wir sahen die Weisel (Königin) zum ersten und zum letzten Mal. Sie zeigte sich den ganzen Sommer nicht mehr.

P1050452  Anfang Mai waren die Brutwaben besetzt, die Honigwaben gefüllt, es herrschte reger Flugverkehr. Wir beobachteten aber auch viele Bienen die am Flugbrett hin und her liefen. Erhard hatte uns gelehrt, das kann auf einen Schwarmdrang hindeuten. Wir entschlossen uns einen Ableger zu bilden. Im Tagebuch „Unsere Bienen“ könnt ihr nachlesen wie wir vorgegangen sind.
In den nächsten Tagen war weiterhin reges Treiben auf dem Flugbrett. Wir waren uns unsicher, ob die Schröpfung des Volkes gereicht hat. Wir entschlossen uns einen zweiten Ableger zu bilden.

Die beiden Ableger wurden in den Garten von Stefan’s Mutter gestellt. Der Bienenstock muß mindestens in einer Entfernung von 2 km vom alten Stock aufgestellt werden, sonst fliegen die Bienen zurück zum alten Standort.

Ende Mai hatten beide Ableger eine Königin. Beide Ableger entwickelten sich sehr gut.
In unserem ersten Stock war nach der Schröpfung Ruhe eingekehrt und die Bienen trugen fleißig Tracht ein.

P1090276  Ende Mai holten wir den großen Ableger (im Bild rechts) in unseren Garten, der kleine Ableger blieb im Garten von Stefan’s Mutter.

Die Schwarmzeit war vorbei. Die Bienen trugen fleißig Tracht ein, die Völker blieben gesund und wurden immer stärker. Für uns begann eine ruhigere Zeit in diesem Bienenjahr.

Mitte Juli waren die Honigräume gut gefüllt. Nur beim Volke aus dem letzten Jahr, dem Wirtschaftsvolk, wurde der Honig geerntet.

P1090452   16 kg Honig, wir waren mit der diesjährigen Honigernte sehr zufrieden. Unsere Bienen bekamen nach der Honigentnahme einen Eimer mit Zuckerwasser in die Beute gestellt, damit sie ihre Vorräte für den Winter auffüllen konnten.

P1090412 An einem Samstag im Juli wanderten kleine Gespenster durch unseren Garten. Meine Enkeltöchter waren zu Besuch und ich wollte die Zuckerlösung in die Beute stellen.

P1090416 Ausgerüstet mit unsere Imkerjacken durften die Beiden mitgehen, damit sie einen Blick in das Innere des Bienenkastens werfen konnten. Als sie jedoch das summen hörten zogen sie es vor meine Aktivitäten aus sicherem Abstand zu beobachten.

P1090406 Wir hatten viel Spaß an diesem Nachmittag, allein beim anpassen der Imkeranzüge war Kreativität gefordert und es nahm einige Zeit in Anspruch.

Nach der Honigernte begann die Varroabehandlung mit Ameisensäure. In der ganzen Saison war der Varroabefall sehr gering. Durch die heißen Tage und die Gabe des Zuckerwassers begannen die Königinnen wieder fleißig Eier zu legen und nun fielen die Varroamilben in großer Zahl. Alle drei Bienenstöcke mußten mehrfach behandelt werden.

Seit zwei Wochen ist es kalt geworden und die Winterruhe kehrt bei den Bienen ein. An sonnigen Tagen sehen wir noch einige der Insekten fliegen. Doch mittlerweile hat sich bestimmt die Wintertraube gebildet in der sich das Volk und die Königin wärmt.

Wir wünschen uns, dass unsere drei Bienenvölker den Winter gesund und gut überstehen und wir im nächsten Jahr genausoviel Freude an den fleißigen Insekten haben, wie in diesem Jahr.