Werzborre oder Kräuterbuschen

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Sieben, neun, zwölf oder fünfzehn verschiedene Kräuter kommen in einen Würzstrauß.

Kräuterbuschen, Würzstrauß oder wie bei uns im Ort „Werzborre“ genannt, werden seit langer Zeit im Hochsommer gesammelt und am 15. August zu Maria Himmelfahrt in der Kirche geweiht. Himmelfahrt ist im Saarland und regional auch in Bayern heute noch ein Feiertag. Die Sträuße wurden nach der Weihe in den Stall gehängt, heute bekommen sie oft auf dem Dachboden ihren Platz. So sollen sie vor Hagel und Blitzschlag schützen. In alten Bauernhäusern waren die Buschen oft im Herrgottswinkel zu finden.

Erkrankte in früheren Zeiten im Stall ein Tier, so wurde die Kräuter der Werzborre, als Heilmittel, unter das Futter gemischt. Die meisten der Pflanzen sind auch uns Menschen als Heilkräuter bekannt. Sie werden oft in Tees verwendet, helfen bei vielerlei kleinen Unpässlichkeiten und stärken die Abwehr des Körpers.

Meine Mutter und meine Patentante erzählten von den spannenden Tagen vor Maria Himmelfahrt, von der großen Frage – werden wir alle Kräuter finden? Natürlich wurden damals die Sammelstellen der selten Kräuter streng geheim gehalten und nur in der Familie weitergegeben.

Bei uns in Nieder-Roden gehören folgende 12 Kräuter in die Werzborre, einige der Pflanzen haben in unserem Dialekt einen anderen Namen, den habe ich dazu geschrieben:

P1060878  Rainfarn – gelbe Rafohne

P1060945  Sumpf – Schafgarbe – weiße Rafohne

P1060826  schwarze Königskerze – Halwegaul

P1060921  rosarotes Weideröschen – Elisabethenstroh

P1060884  Tüpfel-Johanniskraut – Hattehart

P1060953  Echter Wermut

P1060917  Eisenkraut

P1060987  Liebstöckel – Liebstengel, wird im Volksmund auch Maggikraut genannt.

P1060951  Blutskraut

P1060944  großer Wiesenknopf – Blutsknopp

P1060965  echtes Herzgespann, als Ersatzpflanze wird heute auch Halsgespann – Uferwolfstrapp (im Bild) in die Sträuße gebunden.

P1060956  Osterluzei – Osterlazei

Einige der Kräuter sind heute nur noch schwer zu finden. Durch die Veränderungen in der Landwirtschaft und die Bebauung von früheren Grünflächen sind viele Sammelstellen verschwunden. In manchen heißen Sommern sind viele der Pflanzen bis Mitte August schon verblüht, wie z.B. das Tüpfel-Johanniskraut, oder die Felder sind schon abgemäht und die Blüten trocknen mit dem Heu bereits in den Scheunen.

P1060958  In unserem Ort sammeln und binden engagierte Frauen jedes Jahr die Werzborre, interessierte Bürger können sie gegen eine kleine Spende erstehen. Den genauen Termin und Wissenswertes über Nieder-Roden sind auf der Seite des Heimatvereins zu lesen.

Wer mehr über die Nieder-Röder Werzborre lesen möchte, dem empfehle ich den folgende Link anzuklicken: „Werzborre“. Hier ist sehr schön und ausführlich alles Wissenswerte rund um den Kräuterstrauß beschrieben.

Autorin: Ursula Philipp

 

 

Ingwer – neu entdeckt

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Als Gewürz ist Ingwer in Deutschland schon seit dem 9. Jahrhundert bekannt, doch auch heute noch gilt er als exotisch. China ist heute der größte Ingwer-Exporteur. Von dort werden jährlich ca. 200.000 Tonnen in alle Welt verschickt.

Ingwer ist mittlerweile in jedem Supermarkt zu finden. Bei den Römern war die scharfe und heilende Knolle mit einer Steuer belegt, so wichtig und teuer war die Ingwerwurzel in dieser Zeit.

Ingwer wird auch Imber und Ingwerwurzel genannt und gehört zu der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Der Familienname Zingiberaceae leitet sich aus dem Sanskritwort sringavera ab und bedeutet hornförmig, dies bezieht sich auf die Rhizome der Pflanze (Quelle: Wikipedia).

Die bekanntesten Ingwergewächse sind bei uns Kurkuma, Kardamom und die Ingwerwurzel. 

Dem Ingwer wird eine antibiotische und eine immunstimulierende Wirkung nachgesagt. So kann die Wurzel als Vorbeugung gegen Erkältungen eingesetzt werden. Bei Reisekrankheiten, Übelkeit, Magenbeschwerden und  Blähungen kann Ingwertee eine lindernde Wirkung entfalten. Die ätherischen Öle und die Scharfstoffe, wie das Gingerol, sind wertvolle Inhaltsstoffe der Knolle. In der Wissenschaft ist Ingwer als Heilpflanze anerkannt.

Ingwer macht Speisen besser verdaulich und wirkt appetitanregend. Ingwertee wärmt in der kalten Jahreszeit. Er regt den Stoffwechsel und die Entgiftung des Körpers an.

Bitte beachten: Als Heilpflanze sollte Ingwer nur in Absprache mit dem Arzt oder Heilpraktiker anwenden.

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Im Winter liegt eine frische Ingwerwurzel immer griffbereit im Gemüsefach unseres Kühlschranks. Vielen unserer Speisen gibt ein Stückchen Ingwer, fein gewürfelt oder gerieben, einen aromatische Note.

Nach einem Winterspaziergang wärmt eine Tasse mit heißem Ingwertee schnell und zuverlässig.

Ginger-Ale (Ingwerbier) und Ingwerkuchen, kandierter Ingwer, Ingwerbonbon oder Chili-Ingwer-Salz für die Anhänger der scharfen Wurzel gibt es ein großes Angebot, von süß bis herzhaft.