Eine Woche mit Taglilien

Taglilie   Frau Renell hatte ein wunderbare Idee. Sie hat uns Wissenwertes über die Taglilie und Rezepte für „1 Woche mitTaglilien“ geschickt. Wir wünschen euch viel Spaß beim ausprobieren und nachkochen.

Bei den Staudenfreunden ist Hemerocallis fulva nicht beliebt. Die Schönheit der Neuheiten und das horstige Wachstum der meisten Sorten sind dagegen begehrt. Aber zwei Gründe sprechen für die Verfemte. Es gibt Standorte im Garten, z.B. mit starkem Wurzeldruck von Gehölzen, an denen das Ausbreitungsbestreben der gewöhnlichen orangefarbenen Taglilie sehr wünschenswert sein kann. Bei uns ist das ein trockener Platz am Teich, wo sich die schilfförmigen Blätter gut einpassen und ein weiterer an einem halbschattigen Hang. An der Sonnenseite wird auch geblüht, die schattige Seite bildet nur Blätter – und kommt damit den Leberblümchen, die sich dort sehr wohl fühlen, ins Gehege. Anfangs war das durchdringende Roden in dem verwilderten Garten dringend notwendig. Jetzt nehme ich die Sprossen mit Bedacht weg. Dass man die Blüten essen kann, ist allgemein bekannt. Mir bot eine große Pflanzung an meinem früheren Arbeitsplatz die Möglichkeit, Blüten verschiedener Sorten zu probieren. Geschmacklich ist Hemerocallis fulva für mich Nr. 1. Doch auch die Jungtriebe sind essbar. Wie sie uns schmecken, probieren wir jetzt Anfang April gerade aus. Ein paar gehen in den gemischten Salat auf der Basis des langweiligen Eisbergsalates, aufgepeppt mit verschiedenen Kräutern von der Wiese.

Montag: Lilien – Schmarrn

Der erste Versuch mit gegarten Trieben verlief wie immer aus dem Bauch heraus. Die Sprosse in Öl 3 Minuten dünsten. Mit wenig Brühe auffüllen. Aus 1 Ei, 1 gehäuften Esslöffel Vollkornmehl , Milch, Salz und Muskatnuss einen Pfannkuchenteig bereiten. Diesen nach dem Bräunen der Unterseite in Stücke zupfen wie für Kaiserschmarrn, darüber Sonnenblumenkerne streuen und kurz mit rösten. Dann die geschnittenen Triebe (lieber vorher schneiden, ca. 4cm lang) wieder dazu geben und umrühren, servieren. Geschmacklich nicht hervorstechend, aber angenehm und bissfest. Taglilien geben ein gutes Gemüse, wenn der Nutzgarten außer Feldsalat noch nicht viel zu bieten hat.

Dienstag: Lilien – Rolle

Man nehme pro Person: 5 dicke Triebe, von denen wie bei Lauch die Blattspitzen abgeschnitten werden. Die hellen Stängel werden 5 Minuten in leicht gesalzener Fenchelbrühe gegart und abgetropft. Dann legt man 3 Scheiben Selchfleisch leicht überlappend nebeneinander, darüber 2 Scheiben quer, darauf die Taglilien und wickelt eine Rolle. Die Rolle wird rundum hellbraun gebraten und mit etwas Käse bestreut als warme Vorspeise serviert.

Mittwoch:

Man kann ja auch mal was anderes essen. Um diese Jahreszeit Quiche mit Giersch.

Alternativ: Mitt-Wok-Gemüse mit Taglilien und Giersch

Donnerstag: Lilien – Gemüse- Grün-Weiß-Rot (mit weißen Bohnen und getrockneten Tomaten)

200g weiße Bohnen über Nacht einweichen, dann mit Gemüsebrühe 45 Minuten kochen, eine Handvoll getrocknete Tomaten hinzugeben und weitere 5 Minuten kochen. 100g Tagliliensprosse 3 Minuten in Salzwasser blanchieren, in Eiswasser abschrecken und mit der eingekochten Bohnen-Tomaten-Mischung vermengen. Mit Olivenöl und Petersilie anrichten.

Freitag: Lilien – in der Pfanne gerührt

Taglilien tief ausstechen, Grünes abschneiden, in kleine Stücke schneiden, 1-2 Stunden marinieren in Sojasoße, Öl, Salz und Essig/Wein. Mit anderen Gemüsen und mit oder ohne Fleisch im Wok rühren. Nusskerne kurz mitrösten. Mit beliebigen Gewürzen abschmecken. Statt Zitronengras, eines der wenigen Lebensmittel, gegen das ich allergisch reagiere, zerreibe ich frische oder getrocknete Zitronenverbene über der Speise.

Samstag: Lilien – Snack – Abend

Aus 200g Mehl, Salz, 1 Päckchen Backpulver und ¼ l Wasser einen Backteig bereiten, der etwa 1 Stunde quellen muss. Bei diesem Rezept aus Vietnam bleibt der Teig mehrere Stunden nach dem Frittieren knusprig.

Dicke Tagliliensprosse, Rosenkohl, Sellerie in mundgerechte Stücke schneiden, 3-5 Minuten in Brühe garen, abtropfen. In obigen Backteig tauchen und frittieren. Auch Topinamburschösslinge und Champignons sind geeignet, müssen nicht vorgegart werden.

Sonntag – Lilien mit Sauce Hollandaise

Tagliliensprosse tief ausstechen, waschen und in Spargelwasser (Salz, Zucker, Butter, Zitronensaft) 10 Minuten kochen. Mit Schnittlauchkartoffeln und Sauce Hollandaise servieren.

Herzlichen Dank Frau Renell für die tollen Rezepte und Ideen.

 

 

Ein seltenes Naturerlebnis

img_7334  Dieses seltsame Gebilde fand ein Freund im Januar in einem Wald bei Alzenau. Die Gebilde sahen aus wie Watte oder Schnee, zerfielen jedoch sofort zu Staub wenn sie angefasst wurden.

img_7335  Was war das? Das weiße Etwas war um Holzstücke gesponnen…

img_7338  …sah teils wie ein Haarknoten aus. Schimmel konnte es nicht sein, der sieht anders aus. Es war ein Pelz aus langen Kristallen die sich um die Holzstücke gewunden hatten.

img_7337  Die Gebilde waren an Hölzern angesiedelt die mehr oder weniger verrottet waren. Wir haben die weißen Gefüge selber nicht gesehen, nach einiger Recherche vermute ich das es sich um Haar-Eis handelt. Auf der Seite „Chemieunterricht“ ist ein sehr interessanter Bericht über dieses Phänomen.

In diesem Bericht heißt es u.a.
„Pilze zersetzen das Holz und machen es porös. Dadurch kommt es zur schwammartigen Aufweichung des Holzes, verbunden mit der Einlagerung von viel Wasser. (Ofenbesitzer wissen das: Die verheizen deshalb nicht gerne von Pilzen befallenes Holz.)
Wird es nun sehr kalt, gefriert das Wasser im Holz. Das Gefrieren beginnt natürlich an der Oberfläche, es bildet sich zunächst sozusagen ein „Eispickel“. Die Kälte „wandert“ weiter nach innen ins Holz. Das innen ständig neu gebildete Eis hat bekanntlich ein größeres Volumen als Flüssigwasser und schiebt deshalb die fertigen, äußeren Kristalle vor sich her. Letztlich wirkt sich das so aus, dass fadenförmige Eiskristalle durch die Poren nach außen wachsen. Ein Pelz aus Eiskristallen entsteht.“
(Quelle: Chemieunterricht.de, Tipp des Monats März 2011)

Unser Freund hat auf seinem Waldspaziergang einen sehr interessanten und seltenen, aber auch sehr vergänglichen Fund gemacht.