Der Johannislauch

Frau Evelin Renell hat uns einen sehr interessanten Artikel über eine sehr seltene, interessante Pflanze zur Verfügung gestellt. Der Artikel wurde von ihr, gemeinsam mit Herrn Peter Barthel verfasst.

Herzlichen Dank Frau Renell, dass wir den Artikel veröffentlichen dürfen.

Der Johannislauch,  Allium x cornutum

(Von Allium lusitanicum – über syn. A. senescens subsp. montanum – und Allium species zum korrekten Namen Allium x cornutum)

Wir erhielten den Johannislauch unter dem botanischen Namen Allium lusitanicum. Er stammt aus langjährigem Gartenanbau (nachweislich  zurück bis 1900, eher früher) im Norden und Süden der Stadt Lemgo. Um 1900 war der Vilmorin-Katalog*1) sehr populär. Im Katalog-Nachdruck wird der Johannislauch auf S. 374 als  „perennial  welsh onion“ bzw. Allium lusitanicum beschrieben.

Bei der Recherche fand ich anfangs keine Beschreibung, die mit dem vorliegenden Johannislauch übereinstimmte.  Wer im Internet „Johannislauch“ eingibt, erhält in der Regel eine Beschreibung von Allium senescens, dem Berglauch. Diese Wildart zeigt im Spätsommer wunderschöne rosa, gelegentlich weiße Blütenköpfe. Die Zwiebeln sind klein, maximal 1cm Durchmesser. Zum Teil wurden sie in Kultur genommen. Ihre Vermehrung erfolgt durch Aussaat.

Index Kewensis und Mansfeld*2) nennen Allium lusitanicum, beschreiben ihn aber nicht. In der Allium – Collection der Genbank Gatersleben*3) werden 53 Akzessionen unter dem Namen Allium lusitanicum Lam. und 118  Akzessionen unter dem Namen Allium senescens aufgelistet. Auf Grund von Beschreibung und Fotos konnte ich keine Unterschiede zwischen den beiden Arten erkennen. Die Sammlungen resultieren überwiegend aus Osteuropa und Asien; unter den westeuropäischen Sammelgebieten wird einmal Spanien aufgeführt, niemals Portugal (=lusitanicum).
Erst ein Artikel von R. Fritsch*4) brachte Klarheit. Eine der beschriebenen Arten stimmt mit der vorliegenden überein und wird als Allium x cornutum bezeichnet. Unter diesem Namen hat die Genbank 9 Akzessionen aus verschiedenen Kontinenten. Interessant finde ich, dass die Art in Europa, beiden Amerikas und Asien sehr wohl bekannt, aber kaum verbreitet ist.

Eveline Renell, 35444 Biebertal und Peter Barthel 27624 Flögeln

*1) Album Vilmorin. The Vegetable Garden, von Werner Dressendörfer
*2) Mansfeld, Rudolf:  „Vorläufiges Verzeichnis landwirtschaftlich oder gärtnerisch kultivierter Pflanzenarten“, Berlin 1962
*3) Taxonomic Allium Reference Collection der Genbank Gatersleben
*4)R.Fritsch: Neue Ergebnisse zur Taxonomie und Evolution von Allium L.“
in: Schriftenreihe des Informationszentrums für Genetische Ressourcen(IGR)
Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI)
Band 4, Gatersleben 1995

Anbau:

Ab Ende August bis Oktober werden die für die Vermehrung vorgesehenen Zwiebeln im Abstand von 15 cm auf sandig-humosen Boden gesteckt.

Ernte:

Der Lemgoer Johannislauch ist an Johanni bzw. ab Juni ausgereift.

Vermehrung:
Der Johannislauch wird nur vegetativ vermehrt. Ab Ende August bis Oktober werden die für die Vermehrung vorgesehenen Zwiebeln im Abstand von 15cm auf sandig-humosem Boden gesteckt, und zwar tiefer als bei üblichen Steckzwiebeln im Frühjahr. Durch die Wahl der Zwiebelgröße kann die spätere Nutzung beeinflusst werden. So ergeben kleine Steckzwiebeln wenige große; große Steckzwiebeln spalten dagegen bald in viele kleine auf.
Zu den vorliegenden Johannislauch – Exemplaren: 2013 erschienen nur bei 4 von 260 Johannislauch-Pflanzen die winzigen 2-3mm großen, grünweißen Blütenköpfchen, zudem gut versteckt zwischen einigen Bulbillen.  Die Blüten sind steril, so dass die Vermehrung nur vegetativ erfolgen kann. Die Zwiebeln sind 4-6x so lang wie breit und asymmetrisch gebogen. Sie sitzen in Horsten von 6-10 cm Durchmesser zusammen wie die Schalotten (Allium cepa var. aggregatum); die zusammenhaltende Tunika fehlt ihnen. Letzteres hat den Vorteil, dass es in nassen Jahren nicht zum Verfaulen der Jungzwiebeln kommt, was bei Schalotten immer mal wieder geschieht.

Nutzung:
Man benutzt ihn wie normale Sommerzwiebeln, bis diese im Juli/August aus neuer Ernte zur Verfügung stehen.  Im späten Herbst und im zeitigen Frühjahr können einzelne Schlotten wie Schnittlauch verwendet werden, ab April kann  man die kleineren komplett wie  Frühlingszwiebeln nutzen.

2 Gedanken zu „Der Johannislauch

  1. Liebes „Alles blüht“ Team,
    ich freue mich jeden Sonntag auf euren Beitrag und bin immer schon ganz gespannt,
    über welches Thema ihr schreibt. Eure Berichte sind authentisch und man spürt, dass ihr das, was ihr da tut aus Überzeugung und mit Herz macht,
    vielen Dank dafür und macht weiter so,
    alles Liebe,
    Nicole

  2. Johannislauch

    Nach meiner Erinnerung wurden die Zwiebeln als frühes Gemüse am Johannistag geerntet.

    Wikipedia sagt: “ Der Johannistag (auch Johanni, Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni.“

    Das erste frische vitaminreiche Gemüse wurde nach der langen Winterzeit sehr gern gegessen. Dazu dienten die größeren der Zwiebeln. Gemüseputzen war übrigens beim Johannislauch eine tränenreiche Arbeit. Rezepte siehe Anhang. Da wir Kinder von der süß-sauren Geschmacksrichtung nicht so viel hielten, bereitete meine Mutter auch eine herzhafte Variante des Rezeptes zu.

    Die zu Johannis geernteten Zwiebeln wurden bis in den August getrocknet. Dann wurden die kleineren Zwiebeln wieder gesteckt (= gepflanzt) und entwickelten sich bis zum nächsten Johannistag in „Nestern“ aus großen und kleinen Zwiebeln, wobei groß etwa 2 bis 3 cm Durchmesser bedeutet. Die kleinen Zwiebeln wurden wieder vermehrt.

    In den Garten meiner Eltern kam Johannislauch 1938, als sie heirateten. Meine Mutter hatte das Gemüse aus ihrem elterlichen Garten in Hann.Münden mitgebracht. Ihre Mutter stammte aus dem Dorf Gimte, von wo sie es in den Garten meiner Großeltern nach Hann.Münden mitgebracht hatte..

    Rezepte meiner Mutter liegen als pdf-Scan vor. Ich sende sie gern weiter, wenn ich eine e-Mailadresse bekomme, die Anhänge öffnen kann.

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