Ein besonderes Erlebnis

  In diesem Sommer gab es in unserem Garten ein Naturschauspiel der besonderen Art.

An einem Sonntag im Mai wollten wir um die Mittagszeit wegfahren, alle Türen und Fenster im Haus waren schon geschlossen. Plötzlich war ein Summen zu hören das wir nicht einordnen konnten. Diesen Ton hatten wir noch nie gehört. Nach kurzer Zeit wussten wir warum.

Als wir aus dem Fenster schauten sahen wir eine dunkle, summende Wolke in unserem Garten. Tausende von Bienen hatten sich aufgemacht und schwärmten.

In den vergangenen Jahren hatten wir von unseren Bienenvölkern jeweils einen Ableger gebildet. Dabei wird ein Teil der Rähmchen, mit Brut, Futterkranz und Bienenbesatz, in eine neue Beute gesetzt und an einen Platz verbracht der mindestes 3 km vom alten Standort entfernt ist. Die Bienenkönigin bleibt im Stammvolk. Die Bienen in dem Ableger ziehen aus der Brut eine neue Königin, ein neues Volk ist entstanden. Meist wird im alten Volk durch diese Schröpfung der Schwarmtrieb verhindert.

In diesem Jahr wollten wir keine Ableger bilden. Wir hatten in unseren beiden starken Völkern jeweils einige Rähmchen mit Brut entnommen um einen Schwarm zu verhindern. Diese hatten wir in unser drittes, etwas schwächeres Volk gehängt. Doch diese Maßnahme war bei unserem stärksten Volk wohl nicht genug.
An diesem Sonntag konnten wir den Auszug der Bienen direkt miterleben. Die Bienewolke zog über unseren Garten und bildeten in der Tanne unserer Nachbarn eine riesige Traube.

Nachdem unsere Überraschung etwas gelegt hatte informierten wir die Nachbarn. Die Bienentraube wird solange ruhig im Baum hängen bis die Kundschafterinnen eine geeignete Unterkunft gefunden haben. Dann setzt sich der Schwarm noch einmal in Bewegung und zieht zu seiner neuen Behausung um. Finden die Bienen eine Baumhöhle als neue Heimat, dann ist dieser Schwarm wahrscheinlich verloren, denn die Honigbienen sind die Pflege und Behandlung des Imkers gewöhnt.
Hängen die Bienen an einer günstigen Stelle, dann kann der Imker den Schwarm einfangen. Unser Schwarm hing jedoch in einer Höhe von ca. 8 – 10 Meter, einfangen war unmöglich.

Wir beobachteten den Schwarm den ganzen Sonntag, er hing ruhig und ganz friedlich im Baum. Am nächsten Tag um die Mittagszeit waren alle Bienen verschwunden.

Zum ersten Mal in unserer Zeit als Imker hatten wir einen Bienenschwarm live erlebt.

Warum schwärmen Bienen? Wann ist Schwarmzeit? Welche Bienen schwärmen? Über diese Fragen werde ich in nächster Zeit einen Beitrag online stellen.

Unsere Bienen – Jahresrückblick 2015

P1050812  Seit April letzten Jahr sind wir stolze Besitzer eines Bienenvolkes. Im ersten Jahr stand unser Volk, mit anderen Bienenstöcken, in einer Kleingartenanlage. Erhard Henz vom Imkerverein Maingau schulte und begleitete uns.Von ihm bekamen wir Imkerlehrlinge das Rüstzeug, damit wir in diesem Jahr die Bienen an einem Standort unserer Wahl betreuen zu konnten.

Am frühen Morgen des 16. März diesen Jahres durften wir unsere Bienen holen. Mit einem Spanngurt wurde die Beute, so heißt der Bienenstock in der Imkersprache, fest umschlosssen. Der Fluglochverschluß wurde angebracht und dann transportierten wir die Beute vorsichtig im Kofferraum unseres Autos nach Hause. Wir waren aufgeregt, jetzt hatten wir die gesamte Verantwortung für unser Volk.

P1080657   Stefan hatte im Garten bereits eine Halterung gebaut. Die Beute passte perfekt. Nach kurzer Zeit waren die ersten Kundschafterinnen am Flugloch zu sehen.

P1080733 Jeden Tag führte uns unser Weg durch den Garten zum Bienenstock. Wir beobachteten die fleißigen Insekten. Am Flugloch herrschte, sobald die Sonne sich zeigte, reger Flugverkehr.

P1050814  Die ersten Durchsichten der Beute war für uns sehr aufregend. Machen wir alles richtig? Haben wir nichts übersehen? Sind wir ruhig und trotzdem zügig genug, damit die Bienen nicht unnötig gestresst werden? Mit jeder Durchsicht wurden wir ein wenig sicherer.

Am 23. April war ein ganz besonderer Tag für uns. Bei der wöchentlichen Durchsicht zeigte sich die Königin des Volkes. Wir sahen die Weisel (Königin) zum ersten und zum letzten Mal. Sie zeigte sich den ganzen Sommer nicht mehr.

P1050452  Anfang Mai waren die Brutwaben besetzt, die Honigwaben gefüllt, es herrschte reger Flugverkehr. Wir beobachteten aber auch viele Bienen die am Flugbrett hin und her liefen. Erhard hatte uns gelehrt, das kann auf einen Schwarmdrang hindeuten. Wir entschlossen uns einen Ableger zu bilden. Im Tagebuch „Unsere Bienen“ könnt ihr nachlesen wie wir vorgegangen sind.
In den nächsten Tagen war weiterhin reges Treiben auf dem Flugbrett. Wir waren uns unsicher, ob die Schröpfung des Volkes gereicht hat. Wir entschlossen uns einen zweiten Ableger zu bilden.

Die beiden Ableger wurden in den Garten von Stefan’s Mutter gestellt. Der Bienenstock muß mindestens in einer Entfernung von 2 km vom alten Stock aufgestellt werden, sonst fliegen die Bienen zurück zum alten Standort.

Ende Mai hatten beide Ableger eine Königin. Beide Ableger entwickelten sich sehr gut.
In unserem ersten Stock war nach der Schröpfung Ruhe eingekehrt und die Bienen trugen fleißig Tracht ein.

P1090276  Ende Mai holten wir den großen Ableger (im Bild rechts) in unseren Garten, der kleine Ableger blieb im Garten von Stefan’s Mutter.

Die Schwarmzeit war vorbei. Die Bienen trugen fleißig Tracht ein, die Völker blieben gesund und wurden immer stärker. Für uns begann eine ruhigere Zeit in diesem Bienenjahr.

Mitte Juli waren die Honigräume gut gefüllt. Nur beim Volke aus dem letzten Jahr, dem Wirtschaftsvolk, wurde der Honig geerntet.

P1090452   16 kg Honig, wir waren mit der diesjährigen Honigernte sehr zufrieden. Unsere Bienen bekamen nach der Honigentnahme einen Eimer mit Zuckerwasser in die Beute gestellt, damit sie ihre Vorräte für den Winter auffüllen konnten.

P1090412 An einem Samstag im Juli wanderten kleine Gespenster durch unseren Garten. Meine Enkeltöchter waren zu Besuch und ich wollte die Zuckerlösung in die Beute stellen.

P1090416 Ausgerüstet mit unsere Imkerjacken durften die Beiden mitgehen, damit sie einen Blick in das Innere des Bienenkastens werfen konnten. Als sie jedoch das summen hörten zogen sie es vor meine Aktivitäten aus sicherem Abstand zu beobachten.

P1090406 Wir hatten viel Spaß an diesem Nachmittag, allein beim anpassen der Imkeranzüge war Kreativität gefordert und es nahm einige Zeit in Anspruch.

Nach der Honigernte begann die Varroabehandlung mit Ameisensäure. In der ganzen Saison war der Varroabefall sehr gering. Durch die heißen Tage und die Gabe des Zuckerwassers begannen die Königinnen wieder fleißig Eier zu legen und nun fielen die Varroamilben in großer Zahl. Alle drei Bienenstöcke mußten mehrfach behandelt werden.

Seit zwei Wochen ist es kalt geworden und die Winterruhe kehrt bei den Bienen ein. An sonnigen Tagen sehen wir noch einige der Insekten fliegen. Doch mittlerweile hat sich bestimmt die Wintertraube gebildet in der sich das Volk und die Königin wärmt.

Wir wünschen uns, dass unsere drei Bienenvölker den Winter gesund und gut überstehen und wir im nächsten Jahr genausoviel Freude an den fleißigen Insekten haben, wie in diesem Jahr.